Die Stadt Heidelberg steckt mitten in der Aufstellung ihres Doppelhaushalts – und das mit einem satten Defizit von 184 Millionen Euro. In dieser angespannten finanziellen Lage ist kreatives Denken gefragt, um die Einnahmen der Stadt zu erhöhen.
Während bereits Maßnahmen wie die Verpackungssteuer und die umstrittene Bettensteuer diskutiert werden, zeigt sich eine Lücke in der Besteuerung von Nicht-Übernachtungsgästen. Die Heidelberger Hoteliers haben zurecht darauf hingewiesen: Warum sollten nur Touristen, die in Hotels übernachten, zur Kasse gebeten werden? Auch Tagesgäste profitieren von der Infrastruktur der Stadt – und sollten dementsprechend einen fairen Beitrag leisten.
Hier setzt die neue Promenadensteuer an, die ab dem 1. April 2025 in der Bahnstadt eingeführt wird. Die Promenade, das Herzstück des jungen Stadtteils, erfreut sich höchster Beliebtheit bei Familien, Spaziergängern, Freizeitsportlern und Sonnenanbetern.
Spielplätze, Grünflächen und urbane Naherholung – all das hat seinen Preis. Künftig wird die Nutzung der Promenade durch eine abgestufte Benutzungsordnung geregelt, die nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte berücksichtigt.
Die Promenaden-Benutzungsordnung – Wer zahlt wie viel?
Die Gebühren für die Nutzung der Promenade sind sozial und ökologisch gerecht gestaffelt. Die Berechnungsgrundlage ist ein dynamisches Tarifsystem, das verschiedene Faktoren berücksichtigt:
Grundtarif für die Promenadennutzung:
- Fußgänger: 1,50 € pro Stunde
- Jogger & Sportler: 2,50 € pro Stunde (wegen erhöhter Abnutzung)
- Kinderwagen, Rollstuhlfahrer & Mobilitätseingeschränkte: kostenfrei
- Radfahrer: 3,00 € pro Stunde (Fahrräder hinterlassen Abrieb auf dem Bodenbelag)
Stadtteilabhängige Preisgestaltung
Gerechte Stadtentwicklung bedeutet, dass diejenigen, die von besonders gut ausgebauter Infrastruktur profitieren, auch einen größeren Beitrag leisten. Daher wird die Promenadensteuer auch nach Wohnort innerhalb Heidelbergs gestaffelt:
- Bewohner*innen aus Neuenheim, Handschuhsheim, Altstadt und Weststadt: +100 % Aufschlag auf die Grundgebühr (z. B. Fußgänger zahlen 3,00 € statt 1,50 €)
- Bewohner*innen aus Kirchheim, Wieblingen und dem Pfaffengrund: zahlen den regulären Grundtarif
- Bewohner*innen des Boxbergs und Emmertsgrunds: nutzen die Promenade kostenlos
Die Entscheidung basiert auf der bestehenden Infrastruktur: Während Neuenheim, Handschuhsheim, die Altstadt und die Weststadt über eine hervorragende Anbindung, großzügige Parks und vielfältige Freizeitangebote verfügen, sind Stadtteile wie der Boxberg und Emmertsgrund in Sachen Naherholung benachteiligt.
Ermäßigungen & soziale Fairness:
- Anwohner der Bahnstadt erhalten eine Monatskarte für 15,00 €
- Inhaber eines Sozialpasses oder Studierende der Universität Heidelberg: 50 % Ermäßigung
- Wer nachweislich mit dem ÖPNV anreist, bekommt 30 % Nachlass
Ökologische Zuschläge:
- Fast-Food-Verzehr auf der Promenade: +5,00 €
- Mitnahme von Einwegverpackungen: +2,00 € pro Verpackung
- Verzehr von lokal gekauften Bio-Produkten: Steuerbefreit
Spezielle Nutzungen & Premium-Angebote:
- Picknick-Pauschale (bis zu 4 Personen): 10,00 €
- Selfie-Gebühr (für Influencer mit mehr als 10.000 Followern): 20,00 € pro Foto
- Spontane Straßenmusik & künstlerische Performances: 5,00 € pro Stunde (keine Verstärker erlaubt)
Einfuhrzölle für externe Waren – Stärkung der lokalen Wirtschaft
Eine weitere Maßnahme zur Förderung der Heidelberger Wirtschaft ist der Einfuhrzoll auf mitgebrachte Waren. Wer beispielsweise sein eigenes Bier oder seinen Kaffee von außerhalb mitbringt, zahlt eine Abgabe – denn schließlich leiden die heimischen Bahnstadt-Gastronomen unter dem „Rucksack-Konsum“.
Einfuhrzoll-Regelung:
- Mitgebrachter Kaffee im Thermobecher: 3,00 €
- Externe Backwaren (z. B. Brezeln, Croissants): 2,00 € pro Stück
- Mitgebrachte alkoholische Getränke: 5,00 € pro Flasche
- Heidelberger Produkte aus lokalen Geschäften der Bahnstadt: Steuerbefreit
Die Kontrolle erfolgt über ein digitales Selbstverzollungssystem in der „Heidelberg-App“, über die Besucher ihre mitgebrachten Waren anmelden können. Alternativ kann die Abgabe auch direkt in teilnehmenden Geschäften entrichtet werden.
Bezahlung: Digital & bequem
Die Promenadensteuer wird bequem per QR-Code-Scanner oder über eine eigens eingerichtete Promenaden-Kasse in ausgewählten Geschäften entrichtet. Auch eine Tagesflatrate für Vielflitzer (z. B. Jogger, Hundebesitzer) ist geplant.
Für Touristen ohne deutsche Bankverbindung wird es zudem möglich sein, die Steuer in lokalen Bitcoin-Automaten oder mit Apple Pay & Google Pay zu bezahlen – ein Pilotprojekt für die digitale Stadt der Zukunft.
Blick in die Zukunft – Philosophenweg & Neckarstaden als nächste Kandidaten
Die Promenadensteuer in der Bahnstadt ist nur der Anfang. Die Stadtverwaltung prüft bereits weitere Möglichkeiten, beliebte Wege und Aussichtspunkte mit einer Nutzungsgebühr zu belegen. Insbesondere der Philosophenweg, die Panoramastraße und die Neckarstaden stehen auf der Liste möglicher Erweiterungen des Modells.
Auch eine Flaniergebühr für die Hauptstraße ist in Diskussion – mit Rabatten für Besucher, die mindestens drei Produkte in lokalen Geschäften kaufen. Inspiration holt sich Heidelberg dabei aus den erfolgreichen Zollkonzepten von Präsident Trump, der mit seinem protektionistischen Ansatz weltweit für Aufsehen sorgt.
Mit diesen Maßnahmen wird Heidelberg nicht nur seine Haushaltslage verbessern, sondern auch einen Beitrag zur ökologischen und sozialen Gerechtigkeit leisten. Nachhaltigkeit hat eben ihren Preis – und wer die Schönheit der Stadt genießen will, trägt künftig auch finanziell dazu bei.