Verwaltung muss neues Verkehrskonzept vorlegen
Ich habe darüber bereits mehrfach über das Parkhaus berichtet, ebenso die Rhein-Neckar-Zeitung:
- https://www.bahnstadtverein.de/berichte-details/items/stellungnahme-des-stadtteilvereins-zum-geplanten-parkhaus-skyhub.html
- https://www.rnz.de/region/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Kritisiertes-Sky-Hub-Parkhaus-in-Bahnstadt-soll-rhythmischer-werden-_arid,1463851.html
- https://energiewende-bergstrasse.de/bezirksbeiraete-wollen-kein-riesen-parkhaus/
- https://www.rnz.de/region/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Bahnstadt-will-kein-Riesen-Skyhub-Parkhaus-_arid,1452685.html
Auch wenn dieses Projekt als „Mobility Hub“ verkauft wird, bleibt die Realität eine andere: Ein Investor möchte mitten im Stadtteil, direkt am Hauptbahnhof, das größte Parkhaus Heidelbergs errichten. Auf 21.000 Quadratmetern und 14 Ebenen sollen 775 Autos Platz finden.
Immerhin gibt es auch einen Fahrkartenautomaten.
Beschluss mit Reduktion der Verkehrsbelastung – Dank Bürgerengagement
Ich begrüße ausdrücklich den aktuellen Beschluss, der nun ein Verkehrskonzept vorsieht, um negative Auswirkungen auf den Stadtteil zu minimieren. Doch eines muss klar gesagt werden: Dieser Beschluss kam nicht von allein. Er ist das Ergebnis von massivem Druck aus der Bürgerschaft und des Bezirksbeirats der Bahnstadt. Erst als sich der Widerstand formierte, sah sich die Verwaltung veranlasst, die Auswirkungen des Projekts zu überdenken. Zum Glück haben wir dadurch für unseren Änderungsantrag Mitstreiter*innen gefunden.
Ein Parkhaus ohne Bedarf
Besonders problematisch ist die Tatsache, dass dieses neue Parkhaus neben zwei bestehenden Parkhäusern mit insgesamt 500 Parkplätzen entsteht, die derzeit eine Auslastung von unter 10% haben. Mit anderen Worten: Es gibt gar keinen echten Bedarf. Stattdessen wird durch das neue Parkhaus zusätzlicher Verkehr induziert. Die Bedarfsanalyse? Eine einfache Befragung aus dem Jahr 2018. Eine solide Grundlage sieht anders aus.
Wir können es nicht verhindern – aber die Auswirkungen minimieren
Sei es drum – wir können und wollen das Parkhaus nicht komplett verhindern, auch wenn das für die Verkehrswende sicherlich sinnvoll wäre. Es schafft keine neuen Arbeitsplätze (auf diesem Grundstück), sondern nur mehr Verkehr. Aber wir wollen zumindest sicherstellen, dass die negativen Auswirkungen für den Stadtteil so gering wie möglich bleiben.
Der Beschluss sieht nun vor, ein Verkehrskonzept zu erarbeiten, das sicherstellt, dass der entstehende Verkehr keine negativen Auswirkungen auf die direkten Nachbarn, die Bahnstadt oder den Stadtteil insgesamt hat. Die Zufahrten und Abfahrten sollen über den Czernyring geleitet werden, um Wohnstraßen und sensible Einrichtungen wie Schulen und Kitas zu entlasten. Zudem wird geprüft, ob das „Super-Block“-Konzept eingeführt werden kann, um den motorisierten Durchgangsverkehr weiter zu reduzieren. Diese Maßnahmen sind sinnvoll und wichtig.
Ein Stadtteil droht „versaut“ zu werden
Trotzdem bleibt die große Sorge: Auf den letzten Metern droht die Bahnstadt ihr städtebauliches und verkehrliches Konzept zu verlieren. Das größte Parkhaus Heidelbergs wird den Charakter des Stadtteils massiv beeinflussen. Das SkyHub wird als „Mobility Hub“ verkauft, doch in Wahrheit droht es, das urbane, nachhaltige Konzept der Bahnstadt zu untergraben.
Leider ist das kein Einzelfall. Auch auf dem Baufeld Z1 droht eine Fehlentwicklung. Dort soll die größte „Studentenkaserne“ Heidelbergs entstehen – unter dem schicken Label „Urban Living“. Ob Mobility Hub oder Urban Living – am Ende geht es in beiden Fällen nicht um das Wohl des Stadtteils, sondern um maximalen Profit.
Wo bleibt die konsequente Stadtplanung?
Hier muss die Stadtverwaltung ihrer Verantwortung gerecht werden. In der Vergangenheit haben wir immer wieder erfolgreich sichergestellt, dass Projekte in den städtebaulichen Rahmenplan passen. Warum passiert das ausgerechnet hier nicht?
Deshalb appelliere ich erneut an den Oberbürgermeister und die Verwaltung: Setzen Sie konsequent unsere städtebaulichen Standards durch! Lassen Sie nicht zu, dass Investoren den Stadtteil auf Kosten der Lebensqualität gestalten. Städtebau funktioniert nur, wenn wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Funktion, Gestaltung und Nachhaltigkeit wahren.
Es geht hier nicht um Investoreninteressen – es geht um den Stadtteil, um die Menschen, die hier leben, und um eine lebenswerte Zukunft.
Der konkrete Beschluss:
Die Verwaltung wird im Einvernehmen mit dem Vorhabenträger ein Verkehrskonzept erstellen, dass zum Ziel haben soll, dass der entstehende Verkehr keine negativen Auswirkungen auf die direkten Nachbarn, die Bahnstadt oder den Stadtteil insgesamt hat und die Zufahrten und Abfahrten möglichst über den Czernyring geleitet werden, um die Verkehrsbelastung auf Wohnstraßen und in der Nähe sensibler Einrichtungen, wie Grundschule und Kindergärten, zu minimieren. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls geprüft, ob die Einführung des „Super-Blocks“-Konzepts in der Bahnstadt eine geeignete Lösung darstellt. Ziel dabei ist, den motorisierten Durchgangs- und Binnenverkehr innerhalb des Stadtteils zu reduzieren. Das erstellte Verkehrskonzept wird dem Bezirksbeirat Bahnstadt und dem Stadtentwicklungs- und Bauausschuss zur Diskussion vorgelegt.