Warum das Maifeld Derby mehr als nur ein Festival war
Ich schreibe diesen Text nicht nur als kulturpolitisch engagierter Mensch und Kommunalpolitiker aus Heidelberg – sondern als jemand, der dieses Festival von Herzen geliebt hat. Das Maifeld Derby war kein x-beliebiges Event auf einer Festivalwiese. Es war ein Ort, an dem Geschmack, Anspruch und Haltung zusammenkamen – und der nun in einer Zeit verschwindet, in der wir solche Orte dringender brauchen denn je.
Das Aus des Maifeld Derby 2025 schmerzt. Es schmerzt nicht nur, weil da ein fabelhaft kuratiertes Festival verschwindet – sondern weil es ein Menetekel ist für den Zustand der Kulturförderung in Deutschland, gerade im Bereich der freien Musikszene. Was hier zu Ende ging, war kein wirtschaftlich gescheitertes Projekt, sondern ein kulturelles Kleinod, das über Jahre hinweg mit Leidenschaft, Qualität und Beharrlichkeit aufgebaut wurde.
„Ein Festival mit gutem Geschmack stirbt“
– FAZ, 2. Juni 2025
Genau das war das Maifeld Derby: geschmackvoll, international, mutig. Über 700 Acts aus 33 Ländern spielten hier, handverlesen von einem Team, das wusste, dass Kultur nicht nur aus Charts und Budgets besteht, sondern aus Relevanz, Atmosphäre und dem Mut zur Nische.
„Ein Festival, das mehr vom Geschmack, vom Kuratieren, vom Fansein lebt als viele kommerziell erfolgreiche Großveranstaltungen.“
– FAZ
Und was war die Antwort der Stadt Mannheim auf dieses Juwel? Ein Jahrzehnt lang: zu wenig. Zu wenig Förderung, zu wenig politischer Rückhalt.
„Die Stadt Mannheim verliert durch die Nicht-Förderung des Maifeld Derbys Geld. Punkt.“
– Timo Kumpf im Interview mit subtext.at
Dass am Ende fast 15.000 Besucher:innen beim vorerst letzten Derby zusammenkamen – ein Rekord – war ein Beweis für die emotionale Bindung, die dieses Festival geschaffen hat. Und auch dafür, dass der Bedarf nach klug gemachten, liebevoll geführten Veranstaltungen riesig ist.
Stimmen aus dem Publikum
„Ich finde das Festival einfach sehr süß. Ich gehe hier mit immer richtig guter Musik wieder raus.“
– Lena aus Leipzig, SWR
„Es ist live Musik pur, also es gibt immer was Neues zu entdecken.“
– Sebastian aus München, SWR
Als Clubbetreiber weiß ich, wie hart es ist, Kulturprojekte ohne strukturelle Förderung durchzubringen. Alles hängt am persönlichen Einsatz, an unbezahlten Überstunden, am Idealismus. Aber Idealismus allein reicht nicht – Kultur braucht Verlässlichkeit, Planungssicherheit und eine Politik, die mitträgt.
„Das Aus hat meinen Kampfgeist geweckt. Ich versuche alles, um das Maifeld Derby nach einem Jahr Auszeit auf gesündere Beine zu stellen.“
– Kulturbürgermeister Thorsten Riehle, 3sat Kulturzeit
Es freut mich, dass der Kulturbürgermeister verstanden hat, dass dieses Festival nicht einfach ersetzbar ist. Dass hier ein einmaliger kultureller Raum entstanden ist, der nicht durch kommerzielle Alternativen gefüllt werden kann. Das stimmt mich optimistisch, dass es noch Chancen auf eine Zukunft für das Festival in Mannheim gibt.
„Passt bitte auf solche Festivals wie das Maifeld Derby auf. Wir sind froh, dass so etwas existiert.“
– Maurice Ernst (Bilderbuch), zitiert im SWR
Das ist keine Floskel – es ist eine Mahnung. Denn Festivals wie das Maifeld Derby sind kein „Nice to have“. Sie sind Ausdruck kultureller Vielfalt, Motor für kreative Szenen, Magnet für Menschen, die mehr wollen als bloßen Konsum. Kurz gesagt: Sie sind Stadtentwicklung mit Substanz.
Wenn wir es ernst meinen mit dem Begriff „Musikstadt“, dann dürfen wir solche Festivals nicht dem Markt überlassen. Dann müssen wir Strukturen schaffen, die Kulturarbeit möglich machen – auch für das Wagnis, auch für das Unkommerzielle, auch für die künstlerische Handschrift.
Ich hoffe auf ein Comeback des Maifeld Derby und werde dies auch nach meinen Kräften unterstützen. Aber mehr noch hoffe ich, dass es nicht alleine gelassen wird, wenn es wiederkehrt.
Mannheim, du kannst das besser. Und du solltest es besser machen.
Felix Grädler ist Betreiber des Clubs „halle02“ in Heidelberg und engagiert sich unter anderem im Bundesverband für Clubs und Festivals, der Livekomm für eine faire Kulturförderung.
