Die meisten Menschen besuchen gerne Clubs, um zu tanzen, Leute kennenzulernen, Musik zu hören, Spaß zu haben und die Nacht zum Tag zu machen. Doch hinter den Kulissen verbirgt sich eine komplexe Kostenstruktur, die den wirtschaftlichen Betrieb eines Clubs oft zu einer Herausforderung macht. Ein Blick auf die Musterkalkulation eines Clubs in Deutschland offenbart, welche Kostenfaktoren eine wesentliche Rolle spielen und warum es für Clubs (wie für die meisten anderen Kulturbetriebe) meist unmöglich ist, profitabel zu arbeiten.
- Personalkosten (27,0 %)
Personalkosten sind ein wesentlicher Bestandteil der Betriebsausgaben eines Clubs. Dazu zählen Gehälter für festangestellte und freie Mitarbeiter:innen, Sozialversicherungsbeiträge und weitere Personalnebenkosten. Die Nacht- und Wochenendarbeit sowie der Bedarf an zusätzlichem Personal während Veranstaltungen treiben diese Kosten weiter in die Höhe. - Künstler:innen-Honorare (23,9 %)
Die Gagen für auftretende Künstler:innen und die Produktionskosten für Veranstaltungen machen fast ein Viertel der Gesamtkosten aus. Besonders bei kleinen und mittelgroßen Clubs übersteigen diese Kosten häufig die Einnahmen aus Ticketverkäufen, da viele Veranstalter:innen bewusst auf kommerziellen Erfolg verzichten, um ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Programm zu bieten. - Getränke- und Speisenbezug (16,9 %)
Die Kosten für den Einkauf von Getränken und Snacks sind essenziell, da der Gastronomiebereich einen Großteil der Einnahmen ausmacht. Die Margen sind jedoch oft durch hohen Wettbewerbsdruck und Kostensteigerungen, z. B. bei Lieferanten, begrenzt. - Miete und Nebenkosten (16,5 %)
Hohe Mietpreise, insbesondere in urbanen Zentren, stellen für viele Clubs eine große Belastung dar. Zusätzlich treiben Nebenkosten wie Strom, Wasser und Heizung (in oftmals unsanierten Gebäuden) die Ausgaben in die Höhe. Diese Kosten sind durch steigende Energiepreise weiter gestiegen. - Versicherungen, Beiträge und Steuern (8,5 %)
Clubs müssen eine Vielzahl von Versicherungen abschließen, darunter Haftpflicht- und Unfallversicherungen. Auch Abgaben wie GEMA-Gebühren, Künstlersozialkasse, Ausländersteuer und andere Steuern belasten die Budgets erheblich. - Sonstige Kosten und Abschreibungen (8,9 %)
Diese Position umfasst Kosten für Marketing, Instandhaltungen, Reparaturen und Investitionen in Technik. Clubs müssen regelmäßig in Sound- und Lichttechnik investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Investitionen führen zu Abschreibungen, die die finanzielle Belastung erhöhen.
Musterkalkulation eines Clubs in Deutschland
| Einnahmenpositionen | Prozentanteil | Beschreibung |
| Gastronomische Umsätze | 48,90% | Einnahmen durch den Verkauf von Getränken und Snacks. |
| Eintrittsgelder | 25,20% | Einnahmen durch Ticketverkäufe für Konzerte und Veranstaltungen. |
| Öffentliche Zuschüsse | 9,80% | Förderungen durch Bund, Länder oder Kommunen. |
| Vermietungseinnahmen | 9,10% | Erlöse aus der Vermietung von Räumlichkeiten für Events. |
| Sonstige Erlöse | 5,10% | Einnahmen aus weiteren Quellen, z. B. Merchandising oder Garderobe |
| Industrie-Sponsoring | 1,90% | Beiträge von Sponsoren oder Werbepartnern. |
| Ausgabepositionen | Prozentanteil | Beschreibung |
| Personalkosten | 27,0 % | Kosten für festangestelltes und freies Personal inkl. Sozialabgaben. |
| Künstler:innen-Honorare | 23,9 % |
Gagen und Produktionskosten für auftretende Künstler:innen inkl. GEMA & KSK
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| Getränke- und Speisenbezug | 16,9 % | Kosten für den Einkauf von Getränken und Snacks. |
| Miete und Nebenkosten | 16,5 % | Mietkosten und Nebenkosten für den Veranstaltungsort. |
| Versicherungen, Beiträge, Steuern | 8,5 % | Kosten für Haftpflichtversicherungen, Beiträge zur Berufsgenossenschaft etc. |
| Sonstige Kosten und Abschreibungen | 8,9 % | Weitere betriebliche Kosten wie Marketing, Reparaturen und Abschreibungen. |
Warum Clubs oft nicht wirtschaftlich betrieben werden können
- Hoher Anteil an Fixkosten:
Die Fixkosten wie Miete, Nebenkosten und Grundgehälter müssen unabhängig von der Auslastung gedeckt werden. Bei schwankenden Besucherzahlen, z. B. saisonal oder durch externe Faktoren wie die Pandemie, wird dies schwierig. - Geringe Gewinnmargen bei Ticketverkäufen:
Eintrittspreise müssen oft niedrig gehalten werden, um konkurrenzfähig zu bleiben und ein breites Publikum anzusprechen. Die Einnahmen decken jedoch häufig nicht die Gagen der Künstler:innen. Zudem gibt es auch viele Venues, die durch öffentliche Subventionen unterstützt werden und auf dem gleichen Markt arbeiten wie privatwirtschaftliche Clubs. - Abhängigkeit von Gastronomieumsätzen:
Da Eintrittsgelder häufig nicht ausreichen, sind Clubs stark von den Umsätzen aus dem Getränkebereich abhängig. Schlechte Veranstaltungen oder eine sinkende Kaufbereitschaft des Publikums können diese Einnahmen schnell gefährden. - Begrenzte öffentliche Förderungen: Öffentliche Zuschüsse decken nur einen kleinen Teil der Kosten ab bzw. nur wenige Locations und sind oft projektgebunden, was langfristige Planung erschwert.
- Kulturelle Zielsetzung statt Gewinnerzielung:
Viele Clubs orientieren sich nicht primär an Profit, sondern an kultureller Vielfalt und Nachwuchsförderung. Diese intrinsischen Werte stehen oft im Widerspruch zu einer rein wirtschaftlichen Denkweise. - Regulatorische Auflagen und steigende Kosten:
Schallschutzmaßnahmen, Sicherheitsanforderungen und steigende Energiepreise erhöhen die Betriebsausgaben weiter, ohne dass diese Kosten direkt auf das Publikum umgelegt werden können.
Insgesamt können Clubs aufgrund dieser Faktoren oft nicht rein wirtschaftlich betrieben werden. Sie sind kulturelle Institutionen, deren Wert über rein ökonomische Kennzahlen hinausgeht. Viele Clubs existieren nur durch die Leidenschaft und das Engagement der Betreiber:innen sowie durch öffentliche Förderungen, die die Vielfalt und Qualität der Musiklandschaft sichern sollen.
Der Beitrag basiert auf der Clubstudie der Initiative Musik. Bei den angegebenen Zahlen handelt es sich um Durchschnittswerte.