15. Juni 2024

Ist die Zukunft der Livemusik in Deutschland in Gefahr?

in den letzten Wochen gab es eine intensive gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft der Livemusik in Deutschland.
15. Juni 2024

Ist die Zukunft der Livemusik in Deutschland in Gefahr?

in den letzten Wochen gab es eine intensive gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft der Livemusik in Deutschland.

Inhalt dieses Beitrags

Als langjähriger Clubbetreiber und Vorstandsmitglied der Livekomm, dem Bundesverband der Clubs und Festivals in Deutschland, ist es mir ein Anliegen, die aktuellen Herausforderungen und Chancen für die Clubkultur in unserem Land zu beleuchten. In den letzten Jahren haben wir eine zunehmende Kommerzialisierung der Musikindustrie erlebt, die insbesondere kleinere Clubs und aufstrebende Künstler vor große finanzielle Hürden stellt. Die dominante Präsenz großer Stars auf Streaming-Plattformen und in den Medien hat die Vielfalt und Sichtbarkeit von Nachwuchsbands und Nischenkünstlern beeinträchtigt.

Ein Artikel des Bayerischen Rundfunks, Zündfunk, hat kürzlich die Frage aufgeworfen, ob Popmusik nur mit staatlicher Unterstützung überleben kann. Diese Frage ist von großer Relevanz, denn die finanzielle Sicherheit und Förderung von Clubs und Nachwuchsbands ist essentiell für die kulturelle Vielfalt und Entwicklung unserer Musiklandschaft. Die Clubszene, die oft als Nährboden für neue Talente und experimentelle Musikgenres dient, steht vor akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Kosten für Betrieb, Personal, Technik und Veranstaltungen sind gestiegen, während die Einnahmen zurückgegangen sind. Viele Clubs kämpfen darum, über die Runden zu kommen, und die Folgen für die musikalische Vielfalt und den Nachwuchs sind alarmierend.

Ein weiterer Artikel von Aida Baghernejad im Musikexpress beleuchtet die Veränderungen im Musikgeschäft durch Streaming-Dienste und Social Media. Diese Plattformen bieten zwar neue Möglichkeiten für Künstler, ihre Musik einem breiten Publikum zu präsentieren, aber sie können auch zu einer weiteren Konzentration von Aufmerksamkeit und Einnahmen auf wenige große Stars führen. Dies stellt eine Bedrohung für die traditionelle Clubkultur dar, die oft als Sprungbrett für aufstrebende Künstler fungiert.

Zusätzlich zur Diskussion in den Medien hat die Livekomm kürzlich eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie auf die finanzielle Verteilung in der Livebranche aufmerksam macht. Die Pressemitteilung hebt die Gefahr für den Künstlernachwuchs hervor und betont das Ungleichgewicht in der finanziellen Unterstützung zwischen großen Acts und kleineren Clubs und Festivals. Diese Ungerechtigkeit bedroht die Vielfalt und Innovation in der Musikszene und erfordert dringende politische Maßnahmen.

Angesichts dieser Herausforderungen ist es dringend erforderlich, dass die Politik handelt. Als Mitglied der Livekomm fordere ich die Bundesregierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Clubkultur in Deutschland zu unterstützen und zu erhalten. Konkrete Schritte könnten eine finanzielle Förderung für kleinere Clubs und Nachwuchsbands, die Einführung von fairen Vergütungsmodellen auf Streaming-Plattformen und die Schaffung eines bedingungslosen Bestandsschutzes für Musikclubs sein. Es ist an der Zeit, dass die Politik die Bedeutung der Clubkultur als kulturelle Institution anerkennt und entsprechende Maßnahmen ergreift, um ihre Zukunft zu sichern.

Die Clubkultur ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Musiklandschaft und ein wichtiger Motor für kreative Vielfalt und Innovation. Als Clubbetreiber und Mitglied der Livekomm werde ich mich weiterhin für die Interessen der Clubs und Festivals in Deutschland einsetzen und dafür kämpfen, dass sie die Unterstützung erhalten, die sie verdienen. Es liegt an uns allen, gemeinsam für eine lebendige und vielfältige Clubkultur einzutreten und ihre Zukunft zu sichern.

Quellen:

 

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