Liebe Musikfreund*innen,
wir wissen, dass die Lage der Musikbranche zurzeit alles andere als rosig ist. Immer wieder wird uns Clubs vorgeworfen, dass wir den Nachwuchs nicht genügend fördern, dass wir nur noch auf Nummer sicher gehen und hauptsächlich etablierte Acts buchen. Doch die Wahrheit ist, dass das Problem viel tiefer liegt und nicht allein durch die Entscheidungen der Clubs verursacht wird.
Das Ungleichgewicht in der Musikbranche
Der Artikel, der zuletzt für viel Aufsehen sorgte, spricht viele wahre Punkte an. Musiker*innen verdienen mit Streaming-Diensten kaum noch Geld, CD-Verkäufe sind fast gänzlich eingebrochen, und Vinyls sind nur ein Nischenmarkt. Dazu kommt, dass Konzerte und Tourneen oft ein finanzielles Risiko darstellen. Doch die Ursache für diese Misere liegt nicht bei uns Clubs, sondern vielmehr bei den großen Konzernen, die den Musikmarkt beherrschen.
Die Rolle der großen Konzerne
Große Platten- und Ticketfirmen sowie Streaming-Plattformen machen enorme Gewinne, während sie gleichzeitig die Künstlerinnen nur minimal entlohnen. Diese Konzerne haben die Einnahmenströme im Musikgeschäft monopolisiert und investieren kaum etwas in die Basis zurück – also in die Clubs und die Künstlerinnen, die den Kern der Livemusikszene ausmachen. Während wir Clubs versuchen, faire Gagen zu zahlen und ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, werden wir von den übermächtigen Akteuren im Musikgeschäft allein gelassen.
Die Herausforderung für Clubs
Für uns bedeutet das, dass wir oft gezwungen sind, wirtschaftlich zu denken. Die Fixkosten für Miete, Personal und Technik sind hoch, und die Margen sind knapp. Wenn wir bei jeder Veranstaltung ein hohes finanzielles Risiko eingehen, können wir am Ende nicht mehr existieren. Deshalb ist es für uns so schwer, Newcomer zu buchen, die noch kein großes Publikum anziehen. Wir sind nicht egoistisch – wir kämpfen schlicht ums Überleben.
Musterkalkulation für eine Veranstaltung
Um die finanzielle Situation besser zu verdeutlichen, möchten wir eine Musterkalkulation für eine typische Veranstaltung bei uns im Club zeigen. Diese basiert auf realistischen Annahmen für eine Veranstaltung mit einem Newcomer-Act bzw. auf eine virtuelle Show wie angegeben in diesem Artikel:
Von den dort 700 € Miete für den Club bleiben dem Club nach Umsatzsteuer 588,26 €
Will ich das Personal des Abends bezahlen:
Personalkosten (nehmen wir mal an es wäre alles nur Mindeslohn und Minijob (32,70% Abgaben – was es in der Realität natürlich nicht ist, aber das wäre ja das gesetzliche Mindestmaß)
- Abendleitung 4h a 16,47 € = 82,35 €
- Kasse 2h a 16,47 € = 32,94 €
- Garderobe 4h a 16,47 € = 65,88 €
- Techniker 8h a 16,47 € = 131,76 €
- Künstler*innenbetreuung 4h a 16,47 € = 82,35 €
- 2x Security 4h a 16,47 € = 65,88 €
- 2x Barpersonal 4h a 16,47 € = 65,88 €
527,04 €
ok – da wären ja noch die Einnahmen der Getränke!
nehmen wir an die 100 Personen (wie im Originalartikel) konsumieren für 5 € im Schnitt pro Person (was aus Erfahrung eher gut wäre) – hätten wir nach Umsatzsteuer noch 420,17 €
bezahlen wir davon die verzehrten Getränke, bleiben ca. 315,13 € Ihr sehr also, selbst wenn man sich hier viel Mühe gibt, ist das Potential überschaubar.
also insgesamt 376,35 €
zur Deckung der Raumkosten, Veranstaltungstechnik, Marketing, Reinigung, Strom & Heizung, PA, Versicherungen, Personal (Orga)
man kann sich ja ausrechnen, dass das vorne und hinten nicht ausreicht.
Ein Gehalt für den/die Clubbetreiber*in ist dann auch noch nicht erwirtschaftet…
Ein Appell zur Zusammenarbeit
Es stimmt, dass wir alle im selben Boot sitzen. Doch anstatt uns gegenseitig zu beschuldigen, sollten wir gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir sind bereit, mit Musikerinnen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten und innovative Wege zu finden, um das Live-Erlebnis für alle Beteiligten fairer zu gestalten. Wir wollen weiterhin ein Sprungbrett für talentierte Künstlerinnen sein, doch dafür brauchen wir Unterstützung und ein nachhaltiges Geschäftsmodell, das nicht nur die Konzerne, sondern auch die Basis stärkt.
Lasst uns gemeinsam gegen die Ungerechtigkeiten im Musikgeschäft kämpfen. Wir Clubs sind bereit, unseren Teil beizutragen, aber wir brauchen auch die Solidarität der Künstler*innen und die Unterstützung der Fans. Nur gemeinsam können wir ein Umfeld schaffen, in dem Livemusik wieder florieren kann und in dem Newcomer eine faire Chance bekommen. Lasst uns den Kreislauf der Livemusikwirtschaft wieder in Gang bringen und dafür sorgen, dass die Musikszene bunt, vielfältig und lebendig bleibt.
Mit musikalischen Grüßen,
euer Lieblingsclub