23. September 2025

Startschuss für den Live Music Fund Germany beim Reeperbahn Festival

Beim Panel „Imagine Togetherness – Wie wir die Zukunft der Livemusik sichern“ auf dem Reeperbahn Festival wurde heute die Gründung des Live Music Fund Germany durch die Bundesstiftung LiveKultur offiziell bekannt gegeben.
23. September 2025

Startschuss für den Live Music Fund Germany beim Reeperbahn Festival

Beim Panel „Imagine Togetherness – Wie wir die Zukunft der Livemusik sichern“ auf dem Reeperbahn Festival wurde heute die Gründung des Live Music Fund Germany durch die Bundesstiftung LiveKultur offiziell bekannt gegeben.

Inhalt dieses Beitrags

Bundesstiftung LiveKultur stellt neue Brancheninitiative vor – Stimmen aus Politik, Kultur und Branche betonen Solidarität und Handlungsdruck

ALTEGLOFSHEIM/HAMBURG.

Der Fonds startet zum 1. Januar 2026 und will die Basis der Livemusikkultur – Clubs, Newcomer:innen, unabhängige Veranstaltende und Festivals – solidarisch
absichern. Der Fonds reagiert auf die enorme Schieflage in der Branche: Während Superstars Stadien füllen und Ticketpreise Rekordhöhen erreichen, kämpfen kleine und mittlere Spielstätten mit Kostenexplosionen, fehlender Planungssicherheit und Publikumsrückgang.

 

Einige Zitate aus der Paneldiskussion:

Benjamin Fischer – Wirtschaftsredakteur, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der britische Music Venue Trust ist das Vorbild – dort haben schon Stars wie Coldplay, Katy Perry & Sam Fender verstanden, dass die Basis gesichert werden muss.

Die Dringlichkeit ist da. Bilder ausverkaufter Stadien täuschen darüber hinweg, wie stark die Grassroot Venues unter Druck stehen.

 

Pamela Schobeß – Club Gretchen (Berlin), Vorstandsmitglied LiveMusikKommission e.V.

Unsere Umsatzrendite liegt unter 1 %. Junge Bands und Nischenprogramme können wir ohne Unterstützung kaum noch stemmen.

Politik darf man nie aus der Verantwortung lassen – und die Großen müssen in die Pflicht genommen werden, notfalls auch ohne Freiwilligkeit.

 

Berthold Seliger – Geschäftsführer, Berthold Seliger – Büro für Musik, Texte und Strategien

In den Clubs schlägt das Herz der Livekultur – sie sind Möglichkeitsräume und Wunschmaschinen. Ohne sie stirbt die Vielfalt.

Ich glaube nicht, dass die Großkonzerne freiwillig etwas abgeben. Die Regeln muss die Politik setzen – fangen wir mit den Ticketingunternehmen an.

 

Carsten Brosda – Senator für Kultur und Medien, Hamburger Senat

Die Idee des Fonds liegt seit Jahren auf dem Tisch. Aus der Branche heraus anzufangen ist ein wichtiger Schritt, jetzt müssen auch die Großen mitziehen.

Wir dürfen nicht um das Instrument streiten, sondern um das Problem. Wer heute von Superstars profitiert, muss helfen, die Basis zu sichern.

Der Musikmarkt wächst insgesamt, doch die Verschiebungen zugunsten der Superstars sind enorm. Wir müssen uns fragen, wer in zehn Jahren diese Superstars überhaupt noch sein werden. Deshalb brauchen wir eine Abgabe, mit der Mittel von den großen Unternehmen abgeschöpft und wieder in die Breite des Marktes zurückgeführt werden.

 

Christopher Annen – Vorstandsmitglied, Pro Musik

Es geht darum, Mittel von den Großen an die Kleinen umzuleiten, damit das Ökosystem aus Musiker:innen, Clubs und Labels lebendig bleibt.

 

Martin Rabanus (SPD) – Sprecher für Kultur und Medien, SPD-Arbeitsgruppe Kultur und Medien

Ich habe ein Problem mit reiner Freiwilligkeit – warum sollten große Player freiwillig abgeben? Es braucht klare Regeln und im Zweifel ein Gesetz.

Den Nachwuchsmusiker:innen eine Bühne zu geben, ist das große Potenzial des Fonds. Das ist ein mutiger Schritt nach vorn.

 

David Schliesing (Die Linke) – Mitglied des Bundestages

Die Freiheit der Kunst wird zur Illusion, wenn sie im Alltag an der Finanzierung scheitert.

Mein Glaube daran, dass der Markt das allein regelt, ist gering. Wir müssen präventiv tätig werden und das Thema im Ausschuss auf die Agenda setzen – es ist besser, früh zu handeln, als später nur zu reagieren.

An der Basis erodieren Clubs und kleine Veranstalter. Was nützt mir eine Kulturszene, wenn sie nicht mehr da ist?

 

Detlef Schwarte – Direktor, Reeperbahn Festival

Das Motto des Reeperbahn Festivals lautet ‚Imagine Togetherness‘ – der Live Music Fund ist genau dafür ein Paradebeispiel.

Nur wenn wir kollektiv denken und handeln, können wir die Livemusikkultur langfristig sichern.

 

Felix Grädler – Initiator Live Music Fund, Vorstand Bundesstiftung LiveKultur

Der Vorteil gegenüber einer staatlichen Zwangsabgabe ist: Wir können als Branche selbst austarieren, wohin die Gelder fließen – realitätsnah, solidarisch und nicht politisch getrieben.

Die Idee ist ja: Die Stars von heute finanzieren die Stars von morgen. Wir sind halt Idealisten – und hoffen auf die Solidarität der gesamten Branche.

 

Isabel Roudsarabi – Mitgründerin & Geschäftsführerin, Höme

Es ist schade, dass wieder die Käufer:innen zahlen müssen, während große Ticketingunternehmen außen vor bleiben.

Wir brauchen einen Dialog auf Augenhöhe mit den Großen, damit sie ihr Geschäftsmodell so ändern, dass es für alle besser wird.

 

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Bild der Panel-Teilnehmenden

 

Über den Fonds

Der Live Music Fund Germany wird ab 2026 über Ticketplattformen, Spielstätten und Veranstalter:innen als solidarische Abgabe und freiwillige Spendenfunktion umgesetzt.

Die Mittel fließen in drei Fördersäulen:

  1. Nachwuchs- und Clubförderung – Unterstützung kleiner Spielstätten, Ersttourneen und Festivals.
  2. Auslastungsversicherung für mittlere Konzerte – Zuschüsse für defizitäre Veranstaltungen bis 2.000 Besucher:innen.
  3. Strukturelle Maßnahmen – Förderung von Nachhaltigkeit, Inklusion, Diversität und Ausbildung.

Mehr als 50 Gründungspartner:innen aus Clubs, Festivals, Verbänden und Ticketing unterstützen den Fonds bereits

 

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Bilder: Kevin Winiker Fotografie

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