Die Bahnstadt ist einer der jüngsten Stadtteile Heidelbergs. Fast alle, die hier wohnen, sind irgendwann neu hergezogen. Das macht unser Viertel besonders lebendig, es bringt aber auch eine Frage mit sich, die in gewachsenen Stadtteilen längst geklärt ist: Wer kümmert sich hier eigentlich um was? Wer sorgt dafür, dass unsere Anliegen bei der Stadt ankommen? Und wo kann ich selbst mitmachen?
Zwei Namen tauchen dabei immer wieder auf: der Bezirksbeirat und der Stadtteilverein. Sie klingen ähnlich, sind aber zwei ganz verschiedene Dinge. Und beide sind für dich als Bewohnerin oder Bewohner der Bahnstadt wichtiger, als du vielleicht denkst.
Der Bezirksbeirat: unsere Stimme im Rathaus
Der Bezirksbeirat ist das offizielle Sprachrohr der Bahnstadt innerhalb der Stadt. In jedem der 15 Heidelberger Stadtteile gibt es einen, auch bei uns. Seine Mitglieder werden nach jeder Kommunalwahl vom Gemeinderat bestellt, und zwar so, dass die politischen Kräfteverhältnisse aus dem Wahlergebnis im Stadtteil abgebildet werden.
Das Entscheidende: Bevor der Gemeinderat über ein wichtiges Vorhaben in der Bahnstadt entscheidet, wird es zuerst im Bezirksbeirat besprochen. Ob es um Verkehr geht, um neue Gebäude, um Grünflächen, Spielplätze oder die Nahversorgung, der Bezirksbeirat beurteilt solche Projekte aus Sicht des Stadtteils und gibt dem Gemeinderat eine Empfehlung. Er entscheidet selbst nichts, aber seine Stimme hat Gewicht, weil sie die Ortskenntnis derjenigen einbringt, die hier tatsächlich leben.
Warum das für dich zählt: Zu Beginn jeder öffentlichen Sitzung gibt es eine Fragestunde. Dort kannst du als Bewohnerin oder Bewohner der Bahnstadt direkt Fragen an die Verwaltung und an die Mitglieder des Gremiums stellen. Du musst dafür kein Amt haben und kein Mitglied von irgendetwas sein. Du musst nur hingehen. Die Sitzungen sind öffentlich, sie finden mehrmals im Jahr statt, und die Termine stehen im Ratsinformationssystem der Stadt. (https://gemeinderat.heidelberg.de/info.asp)
Wie greifbar das ist, zeigt der Blick auf die Themen. Zu den Fragen, die den Stadtteil betreffen und deshalb über den Bezirksbeirat laufen, gehören etwa die Neuordnung der Parkraumbewirtschaftung in der Bahnstadt, die Anbindung an Bus und Bahn samt Änderungen im Liniennetz, die Nahversorgung mit Lebensmitteln sowie die Gestaltung von Plätzen, Grünflächen und Spielplätzen. Das sind genau die Dinge, die den Alltag hier prägen. Und eine Besonderheit sorgt dafür, dass die Nachbarschaft immer mit am Tisch sitzt: Der oder die Vorsitzende des Stadtteilvereins und die Kinderbeauftragten des Stadtteils nehmen an den Sitzungen teil, mit Rederecht, wenn auch ohne Stimmrecht.
Der Stadtteilverein: das Herz der Nachbarschaft
Der Stadtteilverein Bahnstadt ist das Gegenstück von der bürgerschaftlichen Seite. Er wurde 2012 aus privater Initiative gegründet, also von Menschen wie dir und mir (tatsächlich war ich damals auch wirklich Gründungsmitglied, als der Verein in den Räumen der halle02 gegründet wurde), und er ist heute mit über 500 Mitgliedern eine der tragenden Säulen unseres Zusammenlebens.
Der Verein ist Betreiber des Bürgerzentrums im B³ am Gadamerplatz, dem Bildungs-, Betreuungs- und Bürgerhaus. Dort finden Chöre, Spieletreffs, Kreativgruppen, Feste und viele andere Angebote für alle Generationen ihren Ort. Aus dem Verein heraus sind eigenständige Gruppen entstanden, vom Chor Abgefahren über den Spieletreff bis zur Gewerbegruppe. So wird aus einer Ansammlung von Wohnungen ein echter Stadtteil.
Was das im Alltag bedeutet, sieht man am besten am prall gefüllten Programm. Der Chor Abgefahren probt regelmäßig, der Spieletreff lädt zu Doppelkopf, Schach und Spieleabenden ein, donnerstags trifft sich eine Malgruppe im Werkraum des B³, und eine Kreativgruppe kommt im Bürgerhaus zusammen. Unter dem Label BahnstadtLive gibt es seit Jahren monatliche Kulturveranstaltungen im 135 Quadratmeter großen Bürgersaal, dazu Themenabende zu aktuellen Fragen aus der Bürgerschaft und einen offenen Mitgliedertreff. Über das Jahr verteilt kommen die großen Termine hinzu, vom Sommerfest über die Kleidertauschparty und das Kinderkino bis zum Martinsumzug und zum Weihnachtsmarkt. Und mit der BahnstadtInfo hält der Verein alle im Stadtteil über das Neueste auf dem Laufenden.
Weitere Infos findest du hier:
Wie beide zusammenspielen
Am besten stellst du dir die beiden als Team vor. Der Stadtteilverein kümmert sich um das kulturelle und soziale Leben im Stadtteil. Der Bezirksbeirat ist das politische Sprachrohr der Bürgerinnen und Bürger bei Entscheidungen, die den Stadtteil betreffen. Je stärker der Verein und je aktiver die Nachbarschaft in den Sitzungen, desto mehr Gewicht bekommt die Bahnstadt gegenüber dem Gemeinderat und der Verwaltung.
Genau deshalb sind beide auf dich angewiesen. Ein junger Stadtteil hat noch keine jahrzehntealten Netzwerke. Was hier entsteht, entsteht jetzt, und es entsteht durch die Menschen, die sich einbringen.
Ein Budget für deine Ideen
Wie eng Bezirksbeirat und Stadtteilverein zusammenarbeiten, zeigt sich nirgends so schön wie beim Stadtteilbudget. Unter dem Motto „Mach dein Ding für deinen Stadtteil“ stellt die Stadt Heidelberg für jeden der 15 Stadtteile einen eigenen Fördertopf bereit, aus dem bürgerschaftliche Projekte mit Bezug zur Bahnstadt finanziert werden. Gefördert wird fast alles, was die Nachbarschaft zusammenbringt und eigenständig umsetzbar ist, vom Insektenhotel über ein Nachbarschaftsfest oder einen Flohmarkt bis zum Urban-Gardening-Projekt. Ausgenommen sind nur kommerzielle Vorhaben.
Das Besondere ist, wer über die Vergabe entscheidet. In jedem Stadtteil gibt es dafür ein eigenes Gremium, und darin sitzen drei Mitglieder des Bezirksbeirats, drei Vertreterinnen und Vertreter der Stadtteilvereine sowie sechs zufällig ausgeloste Bürgerinnen und Bürger gemeinsam an einem Tisch. Hier greifen also die formale Stimme des Stadtteils, die bürgerschaftliche Stimme und die ganz normale Nachbarschaft ineinander. Genau deshalb sind beide Gremien so wichtig, denn sie entscheiden hier direkt mit darüber, welche Ideen in der Bahnstadt Wirklichkeit werden. Wenn du selbst eine Idee für den Stadtteil hast, kannst du dafür online einen Antrag stellen. Wichtig ist nur, dass er rechtzeitig vor der nächsten Sitzung des Gremiums vorliegt und dass eine volljährige Person die Verantwortung übernimmt.
Was du konkret tun kannst:
Du musst nicht gleich ein Amt übernehmen. Es gibt viele Stufen des Mitmachens, und jede einzelne hilft:
Informier dich. Schau ins Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, wann der Bezirksbeirat Bahnstadt das nächste Mal tagt.
Geh zu einer Sitzung. Nutz die Fragestunde und bring dein Anliegen direkt ein. Das ist dein gutes Recht als Bahnstädterin oder Bahnstädter.
Werde Mitglied im Stadtteilverein Bahnstadt. Das ist der einfachste und wirkungsvollste Schritt. Mit deinem Beitrag stärkst du die Stimme des Stadtteils, und du kannst dich so viel oder so wenig einbringen, wie du magst, von der reinen Unterstützung bis zur Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe. Die Beitrittserklärung findest du auf der Website des Vereins.
Setz eine eigene Idee um. Hast du ein Projekt für die Bahnstadt im Kopf, dann stell einen Antrag beim Stadtteilbudget. Für gute Nachbarschaftsideen ist Geld da.
Bring dich ein. Ob Chor, Spieletreff, ein Fest oder eine ganz neue Idee, im Verein ist Platz dafür. Vieles von dem, was die Bahnstadt heute lebenswert macht, war einmal die Idee eines einzelnen Menschen.
Ein Stadtteil wird nicht von der Stadt gemacht, sondern von den Menschen, die in ihm wohnen. Die Bahnstadt hat alle Chancen, ein Ort zu werden, an dem man wirklich gern lebt. Ob sie das wird, entscheiden wir gemeinsam. Mach mit.