• Felix Grädler

Was uns 2021 erwartet.

Das Jahr 2020 war in jeder Hinsicht besonders – für die meisten von uns war es vor allem besonders hart. Viele Hoffnungen ruhen nun auf 2021. Aber was wird uns erwarten, was ist jetzt schon abzusehen?


Corona wird uns ganz sicher auch noch ins neue Jahr verfolgen. Die zentrale Frage, wann und wie wir in eine Art “Normalität” zurückkehren können, wird davon abhängen, wie gut und schnell der Impfstoff verbreitet werden kann.

Und sowohl die wirtschaftlichen als auch die sozialen Folgen der Pandemie, die teilweise noch gar nicht sichtbar geworden sind, werden uns die nächsten Jahre intensiv beschäftigen und vor große Herausforderungen stellen.


Nachdem in den USA Trump endlich abgewählt wurde und Joe Biden nun vor der Jahrhundertaufgabe steht, die tief gespaltene Gesellschaft des Landes wieder zu vereinen, stehen auch bei uns 2021 zwei wichtige politische Entscheidungen an:

Im März wird bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg entschieden, ob wir Grünen die erfolgreiche Regierung fortsetzen, das Land weiter begrünen und vor allem beweisen dürfen, dass Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch sind. Und Ende September können die Wähler*innen bei der Bundestagswahl für einen Regierungswechsel und damit für eine sozial-ökologische Marktwirtschaft und einen nachhaltigen Schutz unseres Klimas stimmen.


Auch in Heidelberg stehen viele Entscheidungen an, von denen ich einige vorstellen möchte:

Der Doppelhaushalt für die Jahre 2021/2022 wurde auf Grund der Corona-Krise und der daraus folgenden Unsicherheiten verschoben. Nachdem der Oberbürgermeister seinen Haushalt nun am 18. März vorstellen wird, haben wir als Grüne Fraktion bis zum Beschluss am 24. Juni Zeit, eigene Schwerpunkte darin zu setzen und darauf zu achten, dass die Zukunft dieser Stadt sozial und ökologisch nachhaltig und verantwortungsvoll gestaltet wird.
 Auch Sie sind aufgefordert, zwischen dem 19. März und 16. April Ihre Anregungen einzubringen! Mischen Sie sich ein!


Das Thema Digitale Bildung hat durch Corona massiv an Bedeutung gewonnen. Sehr deutlich zeigen sich hier nun massive Defizite. Diese müssten jetzt zeitnah aufgeholt werden. Nun scheitert es nicht mehr an den finanziellen Möglichkeiten, so wie vor Corona, sondern vor allem an der sinnvollen Umsetzung von Maßnahmen. Eine gute Ausstattung der Schulen mit digitalen Endgeräten ist Voraussetzung, aber zudem müssen Lehrer*innen die Lage versetzt werden, Digitalisierung aktiv und zielgerichtet umsetzen zu können. Deshalb wollen wir Grüne uns noch ein weiteres mal dafür einsetzen, dass Lehrer*innen sogenannte Medienberater*innen zur Seite gestellt werden, um die Anwendung im Unterricht zu vereinfachen.


Auch das Thema Kinderbetreuung wird weiterhin für uns ein zentrales Anliegen sein. Statt auf kostenlose Plätze setzen wir weiter auf ein gestaffeltes Beitragssystem und vor allem auf einen weiteren Ausbau der Qualität und der Plätze, auch durch städtische Angebote z.B. in den Stadtteilen Kirchheim und Rohrbach.


Wir sind froh, dass wir letztes Jahr den Klimaschutzaktionsplan mit großer Mehrheit im Gemeinderat beschlossen haben. Jetzt müssen seine einzelnen Maßnahmen aber auch schnell und konsequent umgesetzt werden – und zwar nicht nur effektiv, sondern auch sozial ausgewogen und partizipativ im Dialog mit den Bürger*innen. Zudem beraten wir uns mit Fachleuten über die besten Lösungen. Der Klimaschutzaktionsplan muss aber vor allem auch im Rahmen der Haushaltsplanung priorisiert und mit konkreten Geldmitteln versehen werden. Dann kann unser neu besetztes Dezernat für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität so richtig mit der Arbeit beginnen.


Das Stadtwachstum in Heidelberg wollen wir urban, sozial und ökologisch gestalten! In diesem Jahr stehen u.a. die Straßenbahntrasse ins PHV, ein neuer Standort für das Ankunftszentrum und die weitere Entwicklung von PHV als Stadtteil der Zukunft im Fokus. Auch mögliche Wohnbebauungen entlang des Kirchheimer Weges und die Entwicklungen an der Speyerer Straße wollen wir weiterhin gemeinsam mit dem Stadtteilverein und den Bürger*innen intensiv diskutieren und begleiten.


Mit mittel- und langfristiger Perspektive beschäftigen wir uns mit der Gesamtentwicklung von „Heidelbergs neuem Westen“ – dem Gebiet zwischen Kirchheim, Bahnstadt, Pfaffengrund und PHV. Gemeinsam im Austausch mit den Bürger*innen wollen wir hierfür sinnvolle Konzepte erarbeiten.


Auch in Bergheim passiert viel, was das Stadtbild im Herzen Heidelbergs dauerhaft prägen wird. Diesen Prozess begleiten wir konstruktiv, um eine spürbare Aufwertung Bergheims zu erreichen. Hier bietet sich gerade mit verschiedenen Entwicklungsprojekten von Bismarckplatz bis Hauptbahnhof eine Riesenchance, dieses zentrale Stadtgebiet gemeinsam mit Investor*innen zu entwickeln. Deshalb haben wir angestoßen, dass diese Maßnahmen gesamtheitlich betrachtet werden sollten.


Ich setzte mich auch weiterhin aktiv für den Sport und die Vereine in Heidelberg ein. Nach der Fertigstellung der Großsporthalle werden in diesem Jahr z.B. der Neubau der Sporthalle der Geschwister Scholl Schule und die Erweiterung des Turnzentrum angegangen. Aber auch für die Sportvereine und ihr Umgang mit dem Corona Virus werden uns weiter begleiten.


Weite Teile unserer Kulturlandschaft sind durch Corona in eine schwere Krise geraten. Wir werden alles dafür tun, den Akteur*innen der Kulturbranche aus dieser schwierigen Situation zu helfen und wieder, wo möglich, ein Kulturprogramm auf die Beine zu stellen. Die Kultur muss zur Normalität mit Corona zurückfinden.

Wir freuen uns über verschiedenste vielfältige Kulturformate mit besonderen Versionen, wie z.B. die Schlossfestspiele, das Metropolink Festival, oder den Heidelberger Frühling. Denn egal ob für Heidelberger*innen oder Tourist*innen: Eine aktive Kulturszene bringt Menschen zusammen und stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr den Heidelberger Herbst oder den Weihnachtsmarkt, die wir in diesem Jahr schmerzlich vermisst haben, wieder erleben dürfen. Wir bleiben optimistisch. Und wir haben dieses Jahr durch die vielen ausgefallenen Veranstaltungen gemerkt, wie sehr uns die Kultur fehlt. Ohne euch ist’s still!


Wir wollen außerdem den Umbruch nutzen, den Corona bedingt hat, um ein neues, nachhaltiges Tourismusleitbild für Heidelberg zu entwickeln.

Über 10 Millionen Touristen pro Jahr mit über 1 Mio Übernachtungen, seit Jahren steigende Zahlen und immer höhere Auslastungszahlen sind quantativ beeindruckende Zahlen. Wir wollen mehr Qualitätstourismus mit Fokus z.B. auf Kultur, Gesundheit, Ökologie, Landschaft und einer Vernetzung in der Region.


Auch für die Clubkultur, der ich mich nicht nur beruflich verbunden fühle, will unsere Fraktion die Rahmenbedingungen verbessern. Denn das Thema Nachtkultur und Ausgehen betrifft nicht nur die Heidelberger Altstadt, wo wir uns weiterhin für einen funktionierenden Interessenausgleich einsetzen, sondern die gesamte Stadt. Als jüngste Stadt Deutschlands braucht Heidelberg mehr Angebote für diese Zielgruppe, die vielfältig und qualitativ hochwertig sind. Ein attraktives Nachtkulturangebot ist Zeichen einer offenen, toleranten und kreativen Stadt, was von vielen Wirtschaftsunternehmen als wichtiger Faktor bei der Wahl ihres Standorts angesehen wird. Wir haben deshalb einen Antrag gestellt, die Clublandschaft in Heidelberg mithilfe neuer Konzepten wieder aufzubauen. In der Stadtentwicklung muss Kultur für junge Menschen mitgedacht und -geplant werden wie Kirchen oder Kitas.


Wir wollen Heidelberg als nachhaltigen Standort für Kreativwirtschaft weiterentwickeln. Deshalb habe ich einen 5-Punkte-Plan als Zukunftskonzept entwickelt, das wir nun mit unserem neuen Dezernat umsetzen wollen. Wir wollen Strukturen um- und aufbauen, Räume schaffen, Förderstrukturen nach der Heidelberger DNS (digital, nachhaltig, sozial) ausrichten, Vielfalt in der Szene bewusst stärken und die Stadtentwicklung zukunftsfit machen.


Auch das Thema Wirtschaft packen wir an. Wir haben gerade einen Wirtschaftsausschuss ins Leben gerufen und zeigen, was “grünes Wirtschaften” bedeutet und dass Ökologie und Ökonomie sich keinesfalls ausschließen. Wir wollen daran arbeiten, dass wir auch für junge und nachhaltige Unternehmen und Start Ups als attraktiver Standort wahrgenommen werden.


Ankunftszentrum

Eine Standortdiskussion, die oft nach dem “Sankt-Florians-Prinzip” geführt wird, finde ich unbefriedigend. Meine ganz persönliche Meinung: Die Kompetenzen und Möglichkeiten der Heidelberger Stadtgesellschaft könnte besser genutzt werden, wenn wir dauerhaft kein Ankunftszentrum betreiben sondern, wie alle anderen Städte, nach dem Königssteiner Schlüssel an der Anschlussunterbringung von Geflüchteten beteiligt werden. Durch eine vorbildliche Integrationsarbeit könnten wir Geflüchtete so langfristig in unsere Stadtgesellschaft aufnehmen. Ich persönlich könnte mir auch vorstellen, dass “das Land” auch so langsam genug von der Diskussion hat ...


Masterplan INF

Heidelberg lebt von und mit der Wissenschaft und nimmt mit seiner Exzellenzuniversität eine weltweite Spitzenposition ein.

Wir werden den Masterplan Neuenheimer Feld weiterhin mitgestalten, um auch perspektivisch die besten zukunftsfähigen und nachhaltigen Rahmenbedingungen im Einklang mit dem Umfeld schaffen können.


Wir arbeiten auch gesamtstädtisch daran, den ÖPNV attraktiver zu machen und die Radinfrastruktur auszubauen. Eines unser Ziele ist es weiterhin, schnellstmöglich eine Multimobilitäts-App für die Region einzuführen.


Der gut ausgebaute und sichere Radverkehr im gesamten Stadtgebiet ist nach wie vor ein ganz besonderes Anliegen für uns. Wir werden auch für den nächsten Haushalt einen massiven Ausbau des Radwegenetzes anregen. Wir fordern schnellstmöglich die Verbindung über die Radbrücke ins Neuenheimer Feld, Lückenschlüsse innerhalb der Stadt sowie Radschnellwege in die Region.


Sie sehen, es gibt viel zu tun!

Packen wir’s an!


Nur das beste für 2021 wünscht ihnen und ihren Familien


Ihr


Felix Grädler